Sendenhorsts Trainer Andreas Schwartz ist eigentlich ein großer Freund von Ordnung, von Stabilität und Kontrolle. Es war ihm daher sichtlich unangenehm, dass ausgerechnet er selbst den Moment verpasste, um das Spiel seiner Landesliga-Handballer kurz anzuhalten und den Sieg praktisch zu sichern. Zwar setzte sich seine Mannschaft auch ohne taktischen Kniff durch. Die Schlussphase beim 21:20 (12:9)-Sieg gegen Westfalia Kinderhaus aber stellte die Nerven von Schwartz, seinen Angestellten und den gesammelten Zuschauern auf eine harte Probe.

Die letzte Spielminute einer eher mauen aber immerhin spannenden Landesliga-Begegnung war angebrochen. Sendenhorst war im Ballbesitz. Auf der Uhr rannen die Sekunden und der Griff zur Time-Out-Karte hätte wahrscheinlich eine ebenso beruhigende wie ordnende Wirkung auf die mit einem Tor in Führung liegenden Gastgeber gehabt. Gleichzeitig hätte es das Team aus Kinderhaus der Chance beraubt, einen letzten geordneten Offensivvortrag zu beginnen. Schwartz aber ließ die Finger von der Karte.

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 Im gleichen Moment auf dem Spielfeld fanden Matthias Kleikamp und Thomas Cervenka trotz ihrer Körperlänge von geschätzten 2,50 Meter keine Lücke in der aggressiv verteidigenden Westfalia-Abwehr, also spielten sie den Ball auf Jörg Hunkemöller nach außen. „Normalerweise eine gute Idee“, wie auch Schwartz nach Spielende bemerkte. In jenem Moment aber war Hunkemöller von der empfangenen Post mindestens ebenso überrascht wie der Ball. Der improvisierte Torabschluss landete beim Westfalia-Torwart Heinz Janssen, der prompt den letzten Angriff einleitete – mit bekanntem Ausgang. Es war pures Glück, dass sich die Gäste in einem umständlichen Angriffsversuch verhedderten. „Wenn wir hier doch noch die Punkte teilen müssen, dann geht das auf meine Kappe“, sagte Trainer Schwartz erleichtert darüber, dass das Malheur keine größeren Auswirkungen hatte.

Unerklärlicher Einbruch

Dass es am Ende überhaupt noch einmal so spannend werden konnte, hatten sich die Hausherren selbst zuzuschreiben. In Halbzeit eins diktierte Sendenhorst das Geschehen. Kinderhaus präsentierte sich harmlos, die SG tat, was eine Heimmannschaft halt tun muss, um die Punkte in eigener Halle zu behalten. Mit einem kleinen Drei-Tore-Vorsprung ging es in die Halbzeitpause. Nach dem Seitenwechsel aber mussten die Zuschauer miterleben, wie Sendenhorst das Spiel Zug um Zug aus der Hand gab. Nach zehn gespielten Minuten in Halbzeit zwei stand es 15:15 und das Spiel drohte vollends zu kippen. „Ich kann nicht erklären, was da passiert ist“, rätselte auch Trainer Schwartz. Er reagierte und wechselte den kompletten Rückraum aus und rochierte Jörg Hunkemöller, Cervenka und Baumhoegger. „Man hat gemerkt, dass es gegen einen direkten Konkurrenten geht“, versuchte Suntrup das Spielgeschehen zu entschlüsseln. „Da spielt auch der Kopf eine Rolle. Man ist in der Pflicht. Im Endeffekt waren wir heute nicht clever genug.“

Den größten Vorteil gegenüber den Gästen hatte die SG wohl auf der Torhüterposition – geschickt wechselte Schwartz seine Schlussleute ein und aus und zog der Westfalia-Offensive so den Zahn. Und der Rest? Manchmal braucht man halt auch Glück...

Sendenhorst: Schöne, Cooper – Jörg Hunkemöller (1), Haake, Jens Hunkemöller (7/2), Feldmann, Suntrup (1), Neumann, Schmitz (1), Matthias Kleikamp (5), Baumhoegger, Cervenka (5).

Westfälische Nachrichten; 08.10.2017; U. Schaper